Die Verhandlungen über den zukünftigen Status des Kosovo sind gescheitert. Trotzdem war es den Versuch wert, Serbien und Kosovo an einen Tisch zu bringen. Jetzt sollten nicht die Extremisten in beiden Ländern die Debatte bestimmen, sondern die Gemässigten und Vernünftigen. Und die EU muss klar machen, dass sie keine Gewaltmassnahmen akzeptieren wird. Wir müssen sicherstellen, dass wir ein Mandat der UNO für unsere militärische, polizeiliche und justizielle Präsenz im Kosovo bekommen. Und wir müssen dafür sorgen, dass sich der Kosovo zu einem Land des vollen Respekts für alle Bevölkerungsgruppen entwickelt.
Gestern Nachmittag war ich eingeladen, vor Vertretern Israels und Palästinas über den Nahen Osten aus europäischer Sicht zu referieren. Als die Veranstaltung begann, kam über CNN die Lifeübertragung aus Annapolis. Bush erschien am Bildschirm. Er zeigte Führungsstärke – am Ende der Präsidentschaft. War es ein historischer Moment, den wir miterlebten oder wieder nur ein neuer vergeblicher Friedensversuch?
Was Bush nicht erwähnte, ist die Tatsache, dass all seine Forderungen auf europäische Vorschläge zurückgehen, er sie bloß einige Jahre später – zu spät? – stellt. Auch die Einbeziehung Syriens ist so ein Fall. Nur den Iran einzuladen, war den USA zu viel. So viel unnötige Zeit ist verstrichen und soviel Unheil, z.B. im Irak, ist angerichtet worden. Und Bush ist mit seiner -phrasenhaften – Rhetorik über viele Probleme hinweggegangen. Dennoch, wenn das Treffen in Annapolis hilft, mir und vor allem den Menschen im Nahen Osten soll es recht sein, dass Bush – endlich – die Initiative ergriffen hat. Hoffentlich bleibt der kleine Hoffnungsschimmer am Horizont und wird mit der Zeit größer.
Heute beginnt die Nah-Ostkonferenz in Annapolis. Der November ist für Palästina ein Schicksalsmonat. Am 2. November 1917 verfasste der britische Außenminister Lord Balfour einen Brief an Lord Rothschild und versprach eine Heimat für die Juden in Palästina unter Berücksichtigung der nichtjüdischen Bevölkerung. Am 29.November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas in zwei Staaten. Israel gibt es seit 1948, einen arabischen Staat in Palästina gibt es noch immer nicht. Wird die Konferenz in Annapolis daran etwas ändern? Ich bin pessimistisch, aber hoffe dennoch, dass ein Grundstein dafür gelegt wird.
(Um Näheres über die Emotionen im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel zu erfahren, empfehle ich das Buch: "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" von Bruno Kreisky Buch-Preisträger Amos Oz.)



























